Dienstag, Juni 28, 2022

Integrationsverein wird angegriffen und schlägt zurück

BNN Leserbrief vom Freitag, den 15.01.2010
Integration schon längst fehlgeschlagen

Zum Bericht „Integrationsverein wächst“

Vom Montag, 28.12.2009

Ich finde es immer etwas scheinheilig, wenn Personen wie diese so tun, als ob sie Opfer von den Vorurteilen der gestrigen Deutschen wären. Man sollte sich doch einmal überlegen, warum diese Jugendlichen keinen Arbeitsplatz finden. Immerhin sind sie es gewesen, die in dieses Land kamen, sie müssen sich somit uns anpassen und nicht andersrum.

Nach dem „Integrations- und Indikatorenbericht“, der von unserer Regierung eigens in Auftrag gegeben wurde, hat jeder zweite Jugendliche mit Migrationshintergrund keinen Schulabschluss. Was natürlich zu hoher Arbeitslosigkeit führt. Und was die Vorurteile angeht: 80 Prozent der Starkkriminellen (mindestens zehn schwere Straftaten) sind türkisch- beziehungsweise arabischstämmiger Herkunft. Der Bericht ist von 2008, also nicht ganz von gestern. Die sogenannte Integration bei uns ist längst fehlgeschlagen, und sie wird auch sicher keine Früchte mehr tragen. Zumindest keine guten.

Micha Huber
Lauerstraße 21
Graben-Neudorf

Antwort des Integrationsverein

BNN -
Leserbrief Dienstag, den 26.01.2010
Zum Artikel „Integration schon längst fehlgeschlagen“ vom 15. Januar:

Der „Verein für Dialog, Integration und Freundschaft“, kurz Integrationsverein Waghäusel genannt, ist ein Ort, wo Menschen mit und ohne Migrationshintergrund auf ehrenamtlicher Basis zusammenarbeiten, um die Integration der ausländischen Mitbürger zu fördern und zu verbessern. So heißt es in unseren Zielsetzungen. Um so mehr erstaunt, dass ein Bericht über die erfolgreiche Arbeit des Integrationsvereins zum Anlass genommen wird, verallgemeinernd und pauschal alle Ausländer und Migranten, Schulabbrecher und „Starkkriminelle“ in einen Topf zu werfen.

Ein starkes Stück ist, dass mit dem „Integrations- und Indikatorenbericht“ der Bundesregierung ein amtliches Dokument dazu missbraucht wird, eigene Vorurteile und Verdächtigungen unter die Leute zu bringen. Denn die angeblichen Aussagen im „Integrationsbericht“ sind dort entweder gar nicht zu finden oder werden vom Leserbriefschreiber freiweg durch falsche Zahlen ersetzt. Welche Dreistigkeit, welche Blamage!

Zwei Beispiele: „80 Prozent der Starkkriminellen sind türkisch- beziehungsweise arabbischstämmiger Herkunft“. Dieser im Leserbrief zitierte Satz findet sich nirgendwo in dem 222 Seiten umfassenden Integrationsbericht mit Anlagen. Dazu wird keine, auch keine irgendwie ähnliche Aussage getroffen. Hier scheint nach dem Motto verfahren worden zu sein: „Behaupten wir einfach etwas. Einer wird’s schon glauben.“

Auch „zitiert“ der Leserbriefschreiber Micha Huber aus Neudorf eine angebliche Passage, wonach jeder zweite Jugendliche mit Migrationshintergrund keinen Schulabschluss habe. Richtig ist, das dort der Satz steht: „Auch der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist von 5,1 Prozent auf 4,4 Prozent zurückgegangen. Bei den in Deutschland geborenen Kindern von Zugewanderten liegt der Anteil mit 2,2 Prozent bereits unter dem Niveau für die Gesamtbevölkerung (2,3 Prozent).“

Der Leserbriefschreiber kommt – wen wundert’s - zum Schluss: „Die Integration ist bei uns längst fehlgeschlagen.“ Dies steht im klaren Widerspruch zu seinem so gern zitierten „Integrationsbericht“. Hierin stellte die Staatsministerien Maria Böhmer nämlich fest: „Erste Erfolge machen Mut und spornen an, eingeleitete Maßnahmen konsequent umzusetzen. Der Bericht belegt eindrucksvoll: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Was wohl diejenigen anstellen wollen, die kurzerhand alle Integrationsbemühungen für gescheitert erklären? Mir wird angst und bange. Gebe ich im Internet unter „Google“ die Worte „Integration“ und „gescheitert“ ein, stoße ich auf Netzwerke der NPD.  

Übrigens: Laut Integrationsbericht haben Fremdenfeindlichkeit und rassistische Gewalttaten zugenommen. Damit hätte sich der Leserbriefschreiber auseinandersetzen können!

Ebru Baz,
Vorsitzende des Integrationsvereins Waghäusel,
Kolpingstraße 86,
Tel. 07254 93260

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